Zwischen Zoo und Krematorium, idyllischer Landschaft und Massenmord - Schüler der Gesamtschule Schwingbach besuchen die Gedenkstätte Buchenwald

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10e der Gesamtschule Schwingbach befanden sich vom 25. bis 26. Februar 2010 unter Leitung ihres Geschichtslehrers Herrn Sturm auf Exkursion in dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. Begleitet wurde die Klasse zudem von ihrem Klassenlehrer Herrn Fago und ihrer ehemaligen Lehrerin Frau Krause. Vor Ort wurde die Gruppe von der Gedenkstättenpädagogin Frau Wachholz-Wolff betreut.

Am ersten Tag galt das Augenmerk zunächst der „Täterperspektive“: Anhand der Gebäudereste der SS-Führersiedlung, des SS-Falkenhofs und des Steinbruchs wurde das unbegreifliche Nebeneinander von Familienidylle und reizvoller Landschaft einerseits und von Massenleid und Massenmord andererseits deutlich. Auf besonderes Unverständnis seitens der Schülerinnen und Schüler stieß die Anlage eines SS-Zoos in unmittelbarer Nähe zum Häftlingslager, der SS-Familien in ihrer Freizeit als Ausflugsziel diente.

Ausgangspunkt für die Erarbeitung der „Opferperspektive“ am zweiten Tag war der sogenannte „Carachoweg“, auf dem ankommende Häftlinge häufig im Laufen ins Lager getrieben und dabei brutal geschlagen oder von Hunden angefallen wurden. Anschließend besichtigten die Schülerinnen und Schüler den Arrestzellenbau im Torgebäude, wo auch Paul Schneider monatelang gefoltert wurde, das Krematorium, das Denkmal „Kleines Lager“ und eine in der ehemaligen Effektenkammer untergebrachte Fotoausstellung.

Bürgermeister Dr. M. Schmidt im Unterricht der Realschulklassen 7

Abwechslung boten die Klassenlehrer Herr Wluka und Herr Dörr ihren Schülern im „Politik und Wirschaft“-Unterricht der Realschulklassen 7: Wer könnte besser etwas zu den Themen Gemeinde/ Mitbestimmung/ Demokratie sagen als der Bürgermeister von Hüttenberg. Kurzweilig, informativ und mit viel Detailkenntnis berichtete Dr. Schmidt  in der Aula der Gesamtschule aus seiner Arbeit mit den verschiedenen Gemeindegremien. Gut gelaunt, aber auch an die Mitverantwortung der Jugendlichen appellierend ging das Oberhaupt der  Gemeinde auch auf die vielen Fragen der Schüler ein, egal ob er zum Beispiel nach dem Sinn des Kreisverkehrs in Rechtenbach, der Neuansiedlung eines Aldimarktes, der „Renovierung“ von Straßen in  Reiskirchen oder gar nach seinem Verdienst gefragt wurde. In all seinen Äußerungen kam zum Ausdruck, dass er mit Herz und Seele und großer Verantwortung Bürgermeister ist und sich besonders auf Umweltaspekte in  seiner Arbeit konzentriert. Für die Schüler ging diese sechste Stunde im Flug vorbei. Sie freuten sich auch besonders über das Mitbringsel  einer Informationsbroschüre, in der eifrig geblättert wurde.  

>> Mission Marke <<

Die Arbeitsgemeinsachaft Jugend und Bildung e.V. hatte im Frühjahr in Zusammenarbeit mit dem Markenverband zu einem Schulwettbewerb unter dem Titel >> Mission Marke << aufgerufen.  Die Klasse 9 d hat sich im Fach Politik und Wirtschaft mit diesem Thema  beschäftigt. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ein Streitgespräch über Produktpiraterie zu verfassen. Dabei sollte ein Jugendlicher, der  häufig gefälschte Waren kauft, mit einem zweiten, der Produktpiraterie  ablehnt, diskutieren. Beide sollten ihr Verhalten begründen, am Schluss  sollte der eigene Standpunkt formuliert werden.  Die Schülerinnen und Schüler bearbeiteten ihre Beiträge allein oder in  einem Team, das aus maximal drei Mitgliedern bestehen durfte.  Bewertet wurden nicht die Einzelbeiträge, sondern die Leistung der ganzen Klasse.

Schüler der Gesamtschule Schwingbach besuchen die Gedenkstätte Buchenwald

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts der Gesamtschule Schwingbach besuchten die Klassen 10a und 10b, unter Leitung von Frau Tilli und Herrn Wluka, am 27. März  2007 die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar.

Laut einer Befragung, im Rahmen einer Gruppenarbeit, erwarteten die Schüler und Schülerinnen von ihrem Besuch, mehr Informationen über das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zu erfahren, insbesondere über den Alltag und die Lebensbedingungen der Häftlinge sowie das brutale Vorgehen der SS.

 

Im Rahmen der pädagogischen Betreuung arbeiteten die beiden Klassen vor Ort getrennt. Unter Leitung von Herrn Gaede, sowie der Betreuung von zwei Praktikanten der Gedenkstätte, erhielten die Schüler der Klasse 10b  zunächst eine Einführung anhand alter Fotos. Sie sollten berichten was auf den Bildern zu sehen ist und sie den einzelnen Themen ihrer Gruppenarbeiten (siehe unten) zuordnen.

 

Anschließend gab es eine ausführliche Führung, bei der Herr Gaede den Schülern das Gelände des ehemaligen Arbeitslagers zeigte und versuchte ihnen die Geschichte des Lagers, insbesondere durch viele Beispiele aus Berichten von Zeitzeugen, zu verdeutlichen. Am bewegensten war für die Schüler dabei der Gang durch das ehemalige Krematorium, welches heute für viele Familienangehörige ermordeter Häftlinge aus den unterschiedlichsten Staaten ein Ort des Gedenkens ist.

 

Nach der Mittagspause in der Jugendbegegnungsstätte, begannen die Schüler mit ihren  Gruppenarbeiten zu folgenden Themen: KZ Buchenwald - Lebensbedingungen und Alltag im Konzentrationslager, Medizinische Experimente, Insassen des Lagers, Paul Schneider in Buchenwald, Die Täter – Infos (Biographien), Widerstand in Buchenwald und die Befreiung des Konzentrationslagers. Die Schüler arbeiteten, unter Hilfe der pädagogischen Betreuer, engagiert an ihren jeweiligen Projekten. Dazu erhielten sie vielfältige Materialien in Form von Büchern und Bildern. Des weiteren nutzten die meisten Gruppen für ihre Arbeiten viele der vorhandenen Museumsstücke aus den Ausstellungen der Gedenkstätte.

Im Anschluss an die Gruppenarbeiten bekamen die Schüler die einmalige Möglichkeit, sich mit einem ehemaligen Häftling des Lagers zu unterhalten und somit die Gelegenheit mit einem direkten Zeitzeugen zu sprechen. Der ehemalige Häftling aus Frankreich, berichtete im Beisein deutscher und französischer Schüler vom damaligen Lagerleben und beantwortete Fragen. Er zeigte sich tief bewegt und sagte auch, dass es ihn sehr freue zu sehen, dass junge Menschen die Gedenkstätte besuchen und sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Abschließend versammelten sich alle gemeinsam zu einer Schweigeminute an der Gedenkplatte.

Die zuvor geäußerten Erwartungen der Schüler wurden überwiegend erfüllt, jedoch war es für viele  sehr schwer zu verstehen, wie Menschen dazu in der Lage sind, „solche Grausamkeiten“ zu begehen. Weitere Erkenntnisse sammelten die Schüler durch ihre Gruppenarbeiten, die im Rahmen der Exkursionsnachbereitung, in Form von Präsentationen, im Geschichtsunterricht vorgestellt werden. Nach den gesammelten Erfahrungen hoffen alle Beteiligten, dass „so etwas“ nie wieder passiert.

 

Dokumentation von Dimitris Karras und Florian Moos (Klasse 10b)