Warum
Latein?
(Kurzinformation
zu den Vorteilen und Zielen des Faches)
„Nicht für
die Schule, sondern für das Leben“ solle man lernen,
meinte bereits der römische Philosoph und Prinzenerzieher Seneca
im 1. Jahrhundert nach Christus.
Die Frage, ob
Latein auch im heutigen Fächerkanon noch seine
Daseinsberechtigung hat, stellt sich besonders für Eltern und
Schüler, die im Rahmen des Wahlpflichtbereiches I auf-
gefordert
sind, sich für eine zweite Fremdsprache zu entscheiden.
Im
Folgenden soll daher versucht werden, die Ziele und Vorteile ,
die mit dem Erlernen dieser Sprache verbunden sind, kurz zu
skizzieren.
1.
Vorbereitung auf das Latinum
Unter
dem Latinum versteht man die Fähigkeit, lateinische
Originaltexte mittleren Schwierig-
keitsgrades zu übersetzen,
zu deuten und einzuordnen.
Diese
Qualifikation kann bei mindestens ausreichenden Leistungen nach 5
Jahren Lateinunterricht (Klasse 7-11) erworben werden.
Das
Latinum ist Examensvoraussetzung für bestimmte Studiengänge
im geisteswissenwis-
senschaftlichen Bereich. Für Jura und
Medizin reichen Lateinkenntnisse aus. (Näheres auf Anfrage.)
2.
Sprachlicher Nutzen
Die
Tatsache, dass Latein als Basissprache der westeuropäischen
Sprachen anzusehen ist, beinhaltet, dass sich grammatische und
lexikalische Erkenntnisse bezüglich der lateinischen Sprache
äußerst gewinnbringend auf die modernen Fremdsprachen und
auf das Deutsche übertragen lassen.
Neben
dem Erwerb dieser Kenntnisse kommt im Lateinunterricht (LU) der Frage
nach der Funktion von Sprache eine besondere Bedeutung zu.
Mit
der zentralen Methode des LU – dem Übersetzen – ist
darüber hinaus eine Förderung der muttersprachlichen
Ausdrucksfähigkeit auf das Engste verbunden.
3.
Horizonterweiterung
Lateinische
Originaltexte erschließen sich aufgrund der großen
zeitlichen Distanz nur unter Berücksichtigung der historischen,
gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen
Dies
ermöglicht dem Schüler, Traditionswissen zu erwerben und
Einblick zu nehmen in eine ferne und zugleich nahe Welt.
4.
Literarische Bildung
Bei
der Beschäftigung mit lateinischen Texten von oftmals hohem
literarischen Niveau lernt der Schüler nicht nur verschiedene
Textsorten und Themen kennen, sondern er wird auch für die
ästhetische Qualität von Texten sensibilisiert.
5.
Berufs- und Wissenschaftsbezug
Die
für die Sprachreflexion unabdingbare Verwendung einer
Fachsprache ebenso wie die für das Übersetzen relevanten
Verfahren des Beobachtens, der Hypothesenbildung, der Analy-
se,
des Tranfers und der Evaluation sind für Beruf und Wissenschaft
von großer Bedeutung.
6.
Erzieherische Vorteile
Dass
die genannten Ziele Fleiß und Ausdauer, Genauigkeit und
systematisches Vorgehen in einem Höchstmaß verlangen,
sollte nicht übersehen werden.
Wer Latein mehrere
Jahre ernsthaft betrieben hat, wird auch in dieser Hinsicht davon
geprägt sein.
7.
Beitrag zur Persönlichkeitsbildung
Die
Beschäftigung mit Texten aus einer fernen Zeit und Kultur
fordert vom Schüler die Bereit-
schaft, sich auf
Andersartiges einzulassen, sie führt zu Selbsterkenntnis und
Standortbestim-
mung.
8.
Vernetzung
Die
ständig vorhandene horizontale und vertikale Verknüpfung
der unter Nr. 2-7 erwähnten Gesichtspunkte lässt den
Schüler die Notwendigkeit und den Vorteil vernetzenden Denkens
und Arbeitens erkennen. Sie zeigt ihm zugleich die Komplexität
sprachlich-geistiger wie tat-
sächlicher Realitätsbewältigung
auf und bereitet ihn darauf vor.
Dieses
intensive Zusammenspiel der Einzelfaktoren macht zweifellos die
bedeutsame Ge-
samtleistung des Faches Latein aus.
Weitere
Ausführungen zu dem Thema Latein finden Sie auch unter folgenden
Internet-Adressen bzw. in den genannten Büchern:
www.lateinforum.de/pldoyerf.htm
www.unibasel.ch/klaphil/latinum-bz2.html
Karl-Wilhelm
Weeber, Mit dem Latein am Ende?, Göttingen
1998.
Wolf
Schön (Hrsg.) Die Schöne Mutter der Kultur,
Stuttgart 1996.
gez.
I. Gretsch