Freitag, der 13. – kein „dies ater“

An der Porta 2011

Im Gegenteil, der dreizehnte Mai war ein ausgesprochener Glückstag für die Lateiner des 8. und 9. Jahrgangs unserer Schule.

Insgesamt 38 Schüler und Schülerinnen begaben sich auf eine Exkursion an Saar und Mosel. Begleitet wurden sie dabei von dem Archäologen Mario Becker, der viel Interessantes über sein Fachgebiet und die Römer zu berichten wusste.

Der erste Halt der Gruppe war die römische Villa Borg in der Gemeinde Perl.

Um die Bevölkerung mit Lebensmittel zu versorgen, produzierte man bereits in römischer Zeit auf Landgütern in großem Stil. Ein solches Landgut von insgesamt 7,5 ha versuchen die Archäologen in Borg einer breiten Öffentlichkeit durch Ausgrabungen, Wiederaufbau und Veröffentlichungen anschaulich zu machen.

Von Perl ging es dann direkt nach Trier. Der Petrisberg bot einen schönen Blick über die ehemalige Residenzstadt der Römer, bevor wir uns auf den Weg zum Amphitheater machten. Nach einer Mit-tagspause trafen wir uns im Rheinischen Landesmuseum mit seinen weltberühmten römischen Mo-saiken und Grabdenkmälern sowie einem kostbaren Münzschatz in Gold.

Dass Kaiser Konstantin seine Macht durch prächtige Bauten zu unterstreichen wusste, konnten wir in der Palastaula gut nachvollziehen. Die Porta Nigra, das ehemaligen römischen Nordtor und heutige Wahrzeichen Triers, gab anschließend bei einer Erlebnisführung so manches Detail ihrer wechsel-vollen Geschichte preis. Danach war es Zeit für ein Gruppenfoto.

Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende, an dem die kulturellen Leistungen der Römer im Mittelpunkt standen.

Ingeborg Gretsch

 

Warum Latein?

(Kurzinformation zu den Vorteilen und Zielen des Faches)

Nicht für die Schule, sondern für das Leben“ solle man lernen, meinte bereits der römische Philosoph und Prinzenerzieher Seneca im 1. Jahrhundert nach Christus.

Die Frage, ob Latein auch im heutigen Fächerkanon noch seine Daseinsberechtigung hat, stellt sich besonders für Eltern und Schüler, die im Rahmen des Wahlpflichtbereiches I auf-
gefordert sind, sich für eine zweite Fremdsprache zu entscheiden.

Im Folgenden soll daher versucht werden, die Ziele und Vorteile , die mit dem Erlernen dieser Sprache verbunden sind, kurz zu skizzieren.

1. Vorbereitung auf das Latinum

Unter dem Latinum versteht man die Fähigkeit, lateinische Originaltexte mittleren Schwierig-
keitsgrades zu übersetzen, zu deuten und einzuordnen.

Diese Qualifikation kann bei mindestens ausreichenden Leistungen nach 5 Jahren Lateinunterricht (Klasse 7-11) erworben werden.

Das Latinum ist Examensvoraussetzung für bestimmte Studiengänge im geisteswissenwis-
senschaftlichen Bereich. Für Jura und Medizin reichen Lateinkenntnisse aus. (Näheres auf Anfrage.)

2. Sprachlicher Nutzen

Die Tatsache, dass Latein als Basissprache der westeuropäischen Sprachen anzusehen ist, beinhaltet, dass sich grammatische und lexikalische Erkenntnisse bezüglich der lateinischen Sprache äußerst gewinnbringend auf die modernen Fremdsprachen und auf das Deutsche übertragen lassen.

Neben dem Erwerb dieser Kenntnisse kommt im Lateinunterricht (LU) der Frage nach der Funktion von Sprache eine besondere Bedeutung zu.

Mit der zentralen Methode des LU – dem Übersetzen – ist darüber hinaus eine Förderung der muttersprachlichen Ausdrucksfähigkeit auf das Engste verbunden.

3. Horizonterweiterung

Lateinische Originaltexte erschließen sich aufgrund der großen zeitlichen Distanz nur unter Berücksichtigung der historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen

Dies ermöglicht dem Schüler, Traditionswissen zu erwerben und Einblick zu nehmen in eine ferne und zugleich nahe Welt.

4. Literarische Bildung

Bei der Beschäftigung mit lateinischen Texten von oftmals hohem literarischen Niveau lernt der Schüler nicht nur verschiedene Textsorten und Themen kennen, sondern er wird auch für die ästhetische Qualität von Texten sensibilisiert.

5. Berufs- und Wissenschaftsbezug

Die für die Sprachreflexion unabdingbare Verwendung einer Fachsprache ebenso wie die für das Übersetzen relevanten Verfahren des Beobachtens, der Hypothesenbildung, der Analy-
se, des Tranfers und der Evaluation sind für Beruf und Wissenschaft von großer Bedeutung.

6. Erzieherische Vorteile

Dass die genannten Ziele Fleiß und Ausdauer, Genauigkeit und systematisches Vorgehen in einem Höchstmaß verlangen, sollte nicht übersehen werden.

Wer Latein mehrere Jahre ernsthaft betrieben hat, wird auch in dieser Hinsicht davon geprägt sein.

7. Beitrag zur Persönlichkeitsbildung

Die Beschäftigung mit Texten aus einer fernen Zeit und Kultur fordert vom Schüler die Bereit-
schaft, sich auf Andersartiges einzulassen, sie führt zu Selbsterkenntnis und Standortbestim-
mung.

8. Vernetzung

Die ständig vorhandene horizontale und vertikale Verknüpfung der unter Nr. 2-7 erwähnten Gesichtspunkte lässt den Schüler die Notwendigkeit und den Vorteil vernetzenden Denkens und Arbeitens erkennen. Sie zeigt ihm zugleich die Komplexität sprachlich-geistiger wie tat-
sächlicher Realitätsbewältigung auf und bereitet ihn darauf vor.

Dieses intensive Zusammenspiel der Einzelfaktoren macht zweifellos die bedeutsame Ge-
samtleistung des Faches Latein aus.


Weitere Ausführungen zu dem Thema Latein finden Sie auch unter folgenden Internet-Adressen bzw. in den genannten Büchern:

www.lateinforum.de/pldoyerf.htm

www.unibasel.ch/klaphil/latinum-bz2.html

Karl-Wilhelm Weeber, Mit dem Latein am Ende?, Göttingen 1998.

Wolf Schön (Hrsg.) Die Schöne Mutter der Kultur, Stuttgart 1996.

gez. I. Gretsch

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